Kryptowährungen – Eine weitere Evolutionsstufe des Geldes?

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Viele Kryptowährungen erheben für sich den Anspruch, ernsthafte Alternativen zu den von Staaten ausgegebenen Währungen (sogenannte Fiatwährungen) zu sein. Doch ist dies überhaupt realistisch? Erfüllt eine Kryptowährung überhaupt die grundlegenden Anforderungen einer Währung? Und wie ist die Erfolgswahrscheinlichkeit von Kryptowährungen einzuschätzen? Diesen und weiteren Fragen gehen wir in diesem Beitrag auf den Grund.

Definition von Geld

Während eine Währung das in einem Wirtschaftsraum geltende Geldwesen bezeichnet, kann man Geld allgemein als Tauschmittel von Waren bezeichnen. Eine gängige Definition, was Geld überhaupt darstellt, erfolgt meist durch die drei grundlegenden Funktionen, welche Geld annehmen kann (siehe auch Webseite der Deutschen Bundesbank):

  1. Zahlungsmittel
  2. Wertaufbewahrungsmittel
  3. Wertmassstab

Die Funktion von Geld als Zahlungsmittel wird hauptsächlich durch die Gesetze eines Wirtschaftsraumes legitimiert. In der Schweiz beispielsweise hält das Bundesgesetz über die Währung und die Zahlungsmittel (WZG) fest, dass der Schweizer Franken die gesetzliche Währungseinheit darstellt und von jedem im Land zu akzeptieren ist. Darüber hinaus können jedoch gesellschaftliche Konventionen sowie andere Interessen Grund dafür sein, dass auch andere Formen von Geld in einem Land als Zahlungsmittel verwendet werden können. Denn obschon gesetzlich nicht vorgeschrieben, kann in der Schweiz an verschiedensten Orten mit unzähligen Parallelwährungen bezahlt werden (z.B. EUR, USD, WIR-Geld, REKA-Schecks, Cumulus-Punkte, …).

Geld ist zudem Wertaufbahrungsmittel. Dies bedeutet, dass die Einnahme und Ausgabe eines bestimmten Geldbetrages zeitlich auseinanderliegen kann. Grundlage dafür ist einerseits die Materialbeständigkeit von Geld, was bedeutet, dass Geld nicht «verdirbt» wie beispielsweise Lebensmittel. Andererseits wird darunter auch die Wertbeständigkeit subsumiert. Dies bedeutet, dass meine CHF 50 in einem Jahr immer noch etwa gleich viel wert haben wie heute.

Geld als Wertmassstab vereinfacht unser tägliches Leben ungemein. Stell dir vor, du müsstest bei deinem wöchentlichen Einkauf den Wert von bestimmten Waren (z.B. Brot) stets in Relation zu anderen Waren (z.B. Milch) ausrechnen. Da hilft es natürlich gewaltig, dass alle Preise in der gesetzlichen Währung (CHF) angegeben sind und nicht in Einheiten von Brot oder Milch.

Evolution von Geld

Zu Beginn der Jäger- und Sammlerjahre der menschlichen Evolution wurden noch Waren gegen Waren getauscht, ohne dass Geld im eigentlichen Sinne im Spiel war. Dies hatte diverse Nachteile. Auf der einen Seite musste stets ein «Verkäufer» gefunden werden, welcher genau das nachfragt, was ich gerade habe. Zudem musste dies zeitlich zusammenfallen, da getauschte Nahrungsmittel irgendwann verderben.

Also entschieden sich viele Kulturen dazu, eine Art unverderbliches Zwischenprodukt dazwischenzuschalten, welches dann zugleich als Recheneinheit (Wertmassstab) dienen konnte. Dieses Zwischenprodukt musste jedoch selten sein, um keine inflationären Reaktionen auszulösen und um eine effiziente Handhabung zu gewährleisten. Die meisten Kulturen entschieden sich für Edelmetalle (v.a. Gold), Muscheln, Kleider oder ähnliches als erste eigentliche Form von Geld.

Diese frühen Formen des Geldes eigneten sich jedoch nur bedingt als Wertmassstab. Einerseits war die Qualität dieser Waren entscheidend (Reinheit des Goldes, Unversehrtheit einer Muschel, Qualität der Kleidung, …) und andererseits waren die unterschiedlichen Wertabstufungen nicht normiert. Man konnte also nichts für eine halbe Muschel kaufen, weil eine Halbierung der wertvollen Muschel seinen Wert zwangsläufig zerstört hätte. Und wenn jemand 100 Gramm Gold bei sich hatte, musste er dieses einschmelzen, wenn der Einkauf nur 10 Gramm kostete.

Aus diesem Grund entstand das erste normierte Geld – Münzen. Eine Münze war ursprünglich lediglich ein Versprechen einer Autorität wie bspw. einem König, dass in dieser Münze eine bestimmte Menge an Gold (oder anderen Edelmetallen) verarbeitet war. Banken erkannten später, dass sie diese Münzen in Formen von Papierurkunden (Banknoten) verbriefen konnten, um eine einfachere Handhabung zu gewährleisten. Mittlerweile sind Münzen wie auch Banknoten jedoch durch keinerlei Fundamentalwerte wie bspw. Gold mehr gedeckt (die USA hob die Golddeckung 1973 auf).

Eine weitere Evolutionsstufe wurde ab dem 14. Jahrhundert durch die zunehmende Ausbreitung von Banken erreicht – das Buchgeld. Damit bezeichnet man die Summe der auf Banken «gelagerten» Geldmenge. Diese ist physisch nicht zwingend vorhanden, sondern beruht lediglich auf dem Versprechen ebendieser Bank, dass der entsprechende Betrag ausbezahlt wird, sofern der Kontoinhaber dies verlangt.

Mit den technischen Weiterentwicklungen im 20 Jahrhundert entstand eine weitere Art des Geldes – elektronisches Geld. Dies kann beispielsweise ein auf einer Karte gespeicherter Geldbetrag sein (z.B. TravelCash oder Gutscheinkarte). Es gilt dabei zu beachten, dass EC- oder Kreditkarten sowie E-Banking kein elektronisches Geld darstellen, da sie lediglich «Zugangs-Tore» zu Buchgeld sind.

Von Dezentral zu Zentral zu Dezentral

Wir haben im vorherigen Kapitel gesehen, dass Geld verschiedene Evolutionsstufen durchlaufen hat. Es zeigt sich jedoch darüber hinaus, dass Geld im Verlaufe der Zeit immer zentralisierter wurde.

Zu Zeiten der Muscheln und Kleider als Geld existierten Zehntausende unterschiedliche Währungen. Dies erschwerte den Handel zwischen den einzelnen Gebieten enorm. Durch die Einführung von normiertem Münzgeld entschärfte sich diese Situation etwas, da dieses Münzgeld typischerweise einfacher zu tauschen war, da es im Grundsatz auf demselben Edelmetall beruhte. Nichtsdestotrotz musste ein Händler im Mittelalter unterschiedlichste Währungen umrechnen. Noch vor 200 Jahren führte ein Ausflug von Luzern nach Zürich dazu, dass man seine Luzerner Batzen in Zürcher Batzen, Kreuzer oder Schilling wechseln musste (die Münzhoheit ging erst im Jahr 1850 an den Schweizer Staat über).

Diese zunehmende Zentralisierung von Geld trug massgeblich dazu bei, dass Handelsbarrieren abgebaut werden konnten und die Wirtschaft profitierte enorm davon. Die Gebiete in einer gemeinsamen Währungsunion trieben mehr Handel miteinander, was beiden Parteien zu wirtschaftlichem Fortschritt verhalf. Diese Erkenntnis war nicht zuletzt einer der Hauptgründe für die Kreierung einer gemeinsamen europäischen Währung (EUR) um die Jahrtausendwende.

Doch diese zunehmende Zentralisierung einer Währung bietet auch Gefahren und Risiken. Auf der einen Seite führt ein Staatsbankrott mit einer damit verbundenen Währungsreform zwangsläufig zu viel mehr Opfern, wenn mehr Personen diese Währung benutzen. Der Schaden, wenn ein Risiko tatsächlich eintritt, ist also in einem zentralen System viel höher als in einem dezentralen. Und jenen, welche dieses Risiko herunterspielen, sei gesagt, dass beispielsweise Spanien seit seiner Unabhängigkeit dreizehn (13!) Mal einen Staatsbankrott erklärt oder eine Währungsreform durchgeführt hat. Frankreich und Deutschland beispielsweise kommen immerhin auf acht (8!) Mal.

Defaults and Reschedulings

Quelle: Reinhart & Rogoff – This time is different

Es ist zwar richtig, dass nur wenige dieser Staatsbankrotte und Währungsreformen in der näheren Vergangenheit auftraten, doch dies heisst nicht, dass das Risiko gebannt ist. Vielmehr haben die Länder seit der Loslösung vom Goldstandard die Möglichkeit einen Staatsbankrott durch die Inflationierung der eigenen Währung zu verzögern (quasi ein Bankrott auf Zeit). Der USD beispielsweise hat seit der Aufhebung des Goldstandards in den führen 70er Jahren des 20. Jahrhunderts über 90 % an Wert verloren (siehe auch Bericht der NZZ).

Darüber hinaus führt eine solche Zentralisierung der Macht zu kumulierten, operativen Fehlern und Machtmissbrauch. Diese Risiken mögen in Industrieländern etwas weniger ausgeprägt sein, da diese etwas Zeit hatten, die Stärken und Schwächen einer zentralisierten Währung kennenzulernen. Doch in vielen Ländern existiert nur wenig Vertrauen in die eigene Währung. Und das zu Recht wie folgende drei Fälle beispielhaft zeigen:

  1. Indien erklärte Ende 2016 über Nacht die beiden grössten Banknoten für wertlos (siehe auch)
  2. China verunmöglicht seit Anfang 2017 faktisch die Ausfuhr von Kapital aus dem eigenen Land (siehe auch)
  3. Venezuela wies für das 1. Quartal 2018 eine Inflationsrate von 454 % (!) aus (siehe auch)

Eine dezentrale Währung (mal unabhängig von Kryptowährungen) erlaubt in diesem Zusammenhang ein Wegkommen einer solchen diktatorischen Währungspolitik. Bis dato ging dies jedoch stets zu Lasten der Effizienz, da viele kleine Währungen nun mal ineffizienter zu handhaben sind als eine grosse. Das könnte sich jedoch durch die Digitalisierung drastisch ändern.

Konklusion

Wie bereits im ersten Kapitel angesprochen existieren auch in der Schweiz unzählige Parallelwährungen (WIR-Geld, REKA-Schecks, Gutschein-Karten, Cumulus-Punkte, etc.). Diese verkomplizieren das System scheinbar unnötig. Denn bei meinem wöchentlichen Migros-Einkauf muss ich mich entscheiden, ob ich denn nun mit CHF, der entsprechenden Gutscheinkarte oder den Cumulus-Punkten bezahle. Wieso sollte also dies anders sein, wenn ich zukünftig an der Kasse stehe und mich entscheiden muss, ob ich denn nun mit Bitcoin, Ether oder Ripple bezahle?

Weil es möglich ist, dass mir ein smarter Algorithmus diese ganze Arbeit abnehmen wird. Dieser wählt je nach persönlichen Präferenzen, Marktgegebenheiten und weiteren Kriterien die bestmögliche Art der Bezahlung aus. Doch was für Vorteile bringt dem Kunden diese Art der Bezahlung verglichen mit den konventionellen Möglichkeiten? In unseren Breitengraden zugegeben wenige bis keine. Denn in der Schweiz dürften die meisten Kunden Bankkonto, EC-Karte und/oder Kreditkarte haben und sind somit an das Bankensystem angeschlossen.

Anders sieht die Situation jedoch in Entwicklungsländern oder Ländern mit einem instabilen eigenen Währungssystem aus. In diesen Ländern stellen Bitcoin und Co. eine ernstzunehmende Alternative zu den staatlichen Währungen dar. Diese Personen kümmern sich nicht um die Volatilität der Kryptowährungen – die Heimwährung hat diese ja auch. Und wenigstens zeigt der Trend bei Kryptowährungen in die richtige Richtung.

Zudem sind sie bei Kryptowährungen von staatlichen Zugriffen wie jenen in Indien oder China geschützt, da jeder Herr über seine eigenen Coins ist. Jeder ist seine eigene Bank (lese in diesem Zusammenhang jedoch unbedingt den Unterschied zwischen Hot Storage und Cold Storage in unserem Glossar). Niemand kann dich daran hindern, zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Transaktion zu tätigen. Es spielt keine Rolle, ob du den Betrag deinem Nachbar oder um die halbe Welt überweist. Eine Transaktion von digitalem Geld kennt keine Landesgrenzen.

Entwicklungsländer haben bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass sie Entwicklungsschritte überspringen und gleich fortschrittlichere Technologien adaptieren können. So wurden auf dem afrikanischen Kontinent beispielsweise nie flächendeckend Telefonleitungen für Festnetztelefonie verlegt, sondern gleich zur mobilen Kommunikation übergegangen. Und da Banken kein Filialnetz in den ländlichen Gegenden unterhielten, wurde einfach direkt mobiles Geld wie M-Pesa (siehe auch) verwendet. Kryptowährungen sind in diesem Zusammenhang nur eine weitere, globalere Möglichkeit des bereits existierenden digitalen Geldes.

Und welche gewaltigen Chancen eine globale, neue Technologie ermöglicht, hat uns das Internet vor über 20 Jahren gezeigt. Das Internet ermöglichte die totale Freiheit von Informationen. Kryptowährungen ermöglichen die totale Freiheit von Geld. Und diese Entwicklung hat erst begonnen.

 

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