Dein eigener Token? Dein eigenes ICO? Aber wie?

BlockchainInformationen

Nun, eigentlich ist dies gar nicht so schwer. Mit dem nötigen Biss, einem Hauch von Interesse und technischem Grundverständnis (wie schaltet man einen PC an) kann dies eigentlich jeder. Denn bekanntlich ist bei Blockchain (fast) alles öffentlich. Das heisst, man kann sich Inspiration bei anderen Projekten holen und seinen Token oder sein ICO im Baukastensystem zusammensetzen. Man muss nur noch wissen, wo man suchen muss und wie man den Code auf die Blockchain bringt.

Wir haben dies interessens- und spasseshalber für unser erstes Projekt YourBottle durchgespielt. Wir haben in diesem Zusammenhang einen Token kreiert, welcher direkt über einen ICO Contract verkauft werden kann. Was bedeutet das genau? Jede Person kann Ether (ETH) an folgende Contract-Adresse 0x64Fe37B099A015034307A2f9dCBaADc317F89D02 senden und erhält dann vollautomatisch (über einen Smart Contract) eine bestimmte Anzahl an YourBottle Tokens zurück (wir haben mal ein Austauschverhältnis von 1000 YB/ETH definiert). Wer es ausprobieren möchte und uns ein paar völlig nutzlose YourBottle Tokens abkaufen möchte (oder einfach seine – seit Anfang Jahr – immer wertloser werdenden ETH spenden möchte), darf dies gerne probieren. Mindestens musst du aber 0.01 ETH schicken – sonst wird die Transaktion wieder retourniert. WICHTIG: Die ETH dürfen nicht von einer Exchange geschickt werden, sondern nur von einer Adresse, bei der man volle Kontrolle über den Private Key hat (wie bspw. MyEtherWallet).

Aber schauen wir uns doch mal an, wie das funktioniert.

1. Schritt: Quellcode schreiben (lassen)

Zugegeben, hier haben wir Hilfe von internationalen IT-Spezialisten in Anspruch genommen. Denn wie ein weiser Mann (ich) einst anmerkte: «Die Kunst der Weisheit besteht darin, zu wissen, was man nicht weiss und in diesen Bereichen Experten beizuziehen.»

Das Schöne an diesem Code? Du kannst ihn hier öffentlich einsehen. Falls du ihn magst, kannst du ihn auch 1:1 kopieren und mit deinem Wunschnamen auf die Blockchain bringen. Und schwups – schon hast du deinen eigenen Token.

Aber aufgepasst: Die Blockchain ist unveränderbar. Dies bedeutet, wenn sich ein Fehler in deinem Code einschleicht oder du nachträglich etwas ändern möchtest, geht dies nicht. Du musst einen neuen Token erstellen und den Code wieder neu auf die Blockchain hochladen.

2. Schritt: Quellcode kompilieren

Der im ersten Schritt verfasste Quellcode kann jedoch nicht direkt auf die Blockchain hochgeladen werden. Denn du verstehst ihn zwar (oder auch nicht) aber der virtuelle Ethereum Rechner (Ethereum Virtual Machine) kann damit wenig anfangen. Du musst den Code zuerst in ein Format bringen, mit welchem dieser Rechner umgehen kann. Diesen Vorgang nennt man Compiling oder eingedeutscht: kompilieren.

Dafür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Für den Durchschnittsbürger sicherlich am komfortabelsten ist dabei Remix, was man übrigens auch gleich für den kommenden 3. Schritt verwenden kann. Falls du dich etwas mit Programmieren auskennst, kannst du auch Solc (Solidity Compiler) oder Truffle verwenden.

Streng genommen (und wir nehmen es hier streng) erhältst du nach diesem Compiling-Vorgang zwei Outputs: Bytecode und ABI (Application Binary Interface). Vereinfacht gesagt enthält der Bytecode denjenigen Teil deines Codes, welcher für die Erstellung deines Contracts auf der Blockchain benötigt wird. ABI definiert, wie man danach mit diesem Contract interagieren kann. Beide findest du übrigens in unserem Beispiel auch hier. Der Bytecode wird jedoch als Contract Creation Code bezeichnet.

3. Schritt: Code auf die Blockchain bringen

Nun gilt es, den kompilierten Code auf die Blockchain zu bringen, damit der eigene Token für alle Welt sichtbar das Licht der Welt erblickt. Diesen Vorgang nennt man «Deployment» und kann auf unterschiedlichste Art und Weise durchgeführt werden. Dem Publikum zuliebe gehe ich hier nur auf eine – die einfachste – Möglichkeit ein.

Wie vorhin kurz angeschnitten, wird dazu erneut Remix verwendet. Nachdem du den Quellcode kompiliert hast, kannst du diesen auf die Blockchain bringen, indem du auf die Schaltfläche «Run» wechselst. Möchtest du nur etwas damit herumspielen, kannst du auf die von Remix bereitgestellte Testumgebung (JavaScript VM) zurückgreifen. Falls du dies live durchführen möchtest, benötigst du noch ein MetaMask-Wallet mit etwas ETH (nutze dann am besten den Browser Google Chrome).

In beiden Fällen wählst du jedoch den entsprechenden Contract aus (in unserem Fall IcoToken), ergänzt die nötigen Angaben wie Name, Symbol, Dezimalzahlen (vorzugsweise 18) und Version und sendest diesen an die Blockchain.

4. Schritt: Schritte 1 bis 3 für ICO Contract wiederholen

Jetzt kann man deinen Token zwar bereits finden, jedoch ist die Stückzahl noch 0. Denn in unserem Beispiel-Contract ist es so programmiert, dass die gekaufte Menge an Tokens nach und nach erstellt wird. Das heisst, dass die Tokens erst bei einem etwaigen Kauf geprägt und dann gleich ausgegeben werden.

Den Code unseres ICO Contracts findest du übrigens hier (Feedback erwünscht). Falls du auch den magst: CTRL+A, CTRL+C, CTRL+V. Und schon hast du auch deinen ICO Contract, welchen du wieder kompilieren und dann auf die Blockchain bringen kannst.

5. Schritt: Verlinkung von Token und ICO Contract

Natürlich musst du diese beiden Contracts noch zusammenbringen. Dies kannst du in unserem Fall über die integrierte Funktion setIcoContract erreichen, welche du ebenfalls über Remix initiieren kannst. Nutze dazu einfach «Load contract from Address». Wichtige allgemeine Anmerkung zur Blockchain-Programmierung: Funktionen, welche Werte verändern, kosten Transaktionsgebühren und dauern bis sie im nächsten Block verarbeitet werden können. Abfragen hingegen sind kostenlos und unmittelbar.

6. Schritt: Finetuning

Dein Token und dein ICO Contract sind nun funktional. Jeder, der von nun an ETH an deinen ICO Contract schickt, erhält die entsprechende Menge deiner eigenen Tokens zurück. Es gibt jedoch noch zwei kleine Dinge, die du noch erledigen kannst, um dein Auftreten zu professionalisieren.

  1. Lade deine Quellcodes auf Etherscan hoch, damit sie verifiziert werden können und deine Anhänger verstehen, was deine Contracts genau machen.
  2. Gib Etherscan einige zusätzliche Informationen über dich und dein Projekt bekannt, sodass sie dich verlinken können.
Wichtiger Hinweis

Je nach ICO hat auch die Finma oder der Gesetzgeber noch ein Wörtchen mitzureden. Willst du einfach nur ausprobieren, wie die Technologie funktioniert, solltest du keine Probleme haben. Sobald du dein ICO jedoch öffentlich anpreist und ernsthaft Geld einnehmen möchtest, schau dir besser frühzeitig die im Februar publizierte Wegleitung der Finma an und vereinbare einen Termin beim Anwalt deines Vertrauens.

 

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Die Menova GmbH wurde im Jahr 2017 mit dem Ziel gegründet, sowohl kompetente Beratung als auch Schulungen im Bereich Blockchain anzubieten. Darüber hinaus setzen wir gerne zusammen mit Ihnen konkrete Projekte um. Möchten Sie mehr über uns erfahren und wie auch Sie die Technologie Blockchain für sich nutzen können? Dann kontaktieren Sie uns! Wir bieten auch individuelle Coachings für unterschiedlichste Zielgruppen an.

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