Libra – Was es mit Facebook’s neuer Kryptowährung auf sich hat

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Ich wurde in den letzten Tagen von unterschiedlichsten Personen auf Libra angesprochen – die Kryptowährung, die Facebook nächstes Jahr herausbringen wird. Aus irgendeinem Grund scheint diese Ankündigung das kollektive Interesse geweckt zu haben. Die Leute wollen wissen, was es mit Libra auf sich hat, wie Libra funktioniert und wie die Kryptowährung im Vergleich zu Bitcoin und Co. einzuschätzen ist. Lies weiter und erhalte Antworten auf die 9 brennendsten Fragen.

1. Was ist Libra?

Libra’s Vision (Whitepaper) ist es, eine «einfache und globale Währung» zu etablieren, welche Milliarden von Menschen Zugang zu grundlegender Finanzinfrastruktur gewährt. Denn wie eine Studie der Weltbank zeigt, haben knapp 1.7 Mrd. Personen keinen Zugang zu Finanzinstituten. Diese Personen gelten als «unbanked» und sind de facto von der normalen Wirtschaft ausgeschlossen. Libra möchte jeder Person unabhängig von deren Einkommen Zugang zum Finanzsystem geben, indem sie die Macht des Internets und von Kryptowährungen nutzen.

2. Wie funktioniert Libra?

Details wurden noch nicht kommuniziert. Aber grundsätzlich wird die Währung auf drei Prinzipien beruhen:

  1. Aufbau auf einer sicheren, skalierbaren und verlässlichen Blockchain (wer sich dafür interessiert findet hier mehr Informationen dazu)
  2. Hinterlegung von unterschiedlichen Anlagen zur Sicherstellung des intrinsischen Werts (wer mehr über die gehaltenen Reserven erfahren möchte, findet hier weitere Informationen)
  3. Verwaltet durch unabhängigen Libra Verein mit Sitz in Genf

3. Wer steht hinter Libra?

Obschon in der öffentlichen Berichterstattung fast ausschliesslich von Facebook die Rede ist, stehen weitere Unternehmen und Vereinigungen hinter der Kryptowährung Libra. Ziel ist, bis zur Lancierung von Libra im Jahr 2020 ca. 100 Mitglieder aufzuweisen. Die Gründungsmitglieder aus unterschiedlichen Industrien sind:

  • Payment-Provider: Mastercard, Mercado Pago, PayPal, PayU (Fintech-Arm von Nasper), Stripe, Visa
  • Technologie und Marktplätze: Booking Holdings, eBay, Calibra (Facebook), Farfetch, Lyft, Spotify AB, Uber Technologies
  • Telecom: Iliad, Vodafone Group
  • Blockchain: Anchorage, Bison Trails, Coinbase, Xapo Holdings Limited
  • Venture Capital: Andreessen Horowitz, Breakthrough Initiatives, Ribbit Capital, Thrive Capital, Union Square Ventures
  • NGOs und Co: Creative Destruction Lab, Kiva, Mercy Corps, Women’s World Banking

4. Wird Libra die neue Weltwährung?

Vermutlich eher nicht. Ich kann mir zwar gut vorstellen, dass in Ländern mit schwacher finanzieller Infrastruktur (z.B. in Südamerika oder Afrika) viele Personen die neue Währung begrüssen werden. In unseren Breitengraden jedoch fehlt meiner Meinung nach schlicht das Kundenbedürfnis. Wenn ich beispielsweise mein morgendliches Brötchen einkaufen gehe, habe ich bereits 5 – 10 unterschiedliche Möglichkeiten, wie ich dafür bezahlen kann (z.B. Bargeld, EC-Karten, Kreditkarten, Twint). Da hat es wenig Raum für eine Bezahlmöglichkeit mehr. Ganz anders sieht die Situation in anderen Ländern aus, wo entweder keine Finanzinfrastruktur vorhanden ist oder der Wert der eigenen Währung so stark schwankt, dass gerne auf eine stabile Alternative vertraut wird.

5. Was ist der Wert von Libra?

Libra wird wie bereits erwähnt durch die Hinterlegung unterschiedlicher Anlagen einen intrinsischen Wert erhalten. Das ist eine gute Strategie. Denn auch unsere Banknoten beispielsweise waren bei Einführung durch einen intrinsischen Wert (eingelagertes Gold) hinterlegt, bevor der Goldstandard im 20. Jahrhundert aufgehoben wurde. Durch welche Anlagen Libra im Detail besichert werden wird, ist noch nicht klar. Klar ist jedoch, dass es Niedrigrisikoanlagen sein werden, welche einen möglichst stabilen Wert gewährleisten sollen.

6. Wofür ist Libra zu gebrauchen?

Wie im vorherigen Kapitel erläutert, wird Libra durch sehr sichere Anlagen gedeckt sein. Dies bedeutet, dass nur geringe Wertschwankungen zu erwarten sind und Libra nicht als Investitions- oder Spekulationsmöglichkeit taugen dürfte. Vielmehr ist Libra als Konkurrenz für nationale Währungen, Stablecoins oder andere Payment Tokens zu betrachten.

7. Hat Facebook mit Libra Zugang zu meinen Finanzinformationen?

Offizielle Antwort: Nein. Denn Facebook selbst ist gar nicht Mitglied des Libra Vereins, sondern hat dazu eigens die Tochtergesellschaft Calibra gegründet. Der Grund dafür ist, Bedenken bezüglich Datenschutz zu zerstreuen. Facebook verspricht auch, Zahlungstransaktionen von den üblichen Social Media Anwendungen zu trennen. Wirklich glauben mag ich das Versprechen jedoch nicht. Es erscheint mir vielmehr nach einer Neuauflage des alten Geschäftsmodells «Daten gegen «Gratis»-Dienstleistung», wie es Facebook und Google auch schon mit der Bereitstellung eines kostenlosen Internets für den afrikanischen Kontinent versucht haben (spannender Artikel hier für alle Interessierten).

8. Wie ist Libra einzuschätzen?

Meiner Meinung nach ist Libra eine Medaille mit zwei Seiten. Ich glaube fest daran, dass Libra gewissen Bevölkerungsschichten in gewissen Ländern helfen kann, den Zugang zum internationalen Finanzsystem herzustellen. Diese Bevölkerungsschichten werden zwangsläufig von Facebook’s neuer Währung profitieren. Die Frage ist nur: Zu welchem Preis? Diesen Zugang erkaufen sich die entsprechenden Personen (aller Voraussicht nach) durch die Bereitstellung ihrer persönlichen Daten. Das muss nicht zwingend schlimm oder verwerflich sein. Denn was häufig vergessen geht: Nicht alle Bevölkerungsgruppen haben dasselbe Bedürfnis nach Privatsphäre und individueller Freiheit. In Asien beispielsweise ist die öffentliche Überwachung des Raumes und der Individuen völlig normal und von der breiten Masse akzeptiert. Digitale Überwachung und Einsicht in die entsprechenden Daten wird nicht als negativ, sondern (meist) positiv wahrgenommen.

9. Was bringt Libra anderen Kryptowährungen?

Unabhängig davon, was man persönlich von Libra halten mag, muss man neidlos eingestehen, dass die Ankündigung von Facebook ein riesiges Medienecho ausgelöst hat. Ich war Montag bis Mittwoch an der Crypto Valley Conference in Zug und Libra war eines der Haupt-Gesprächsthemen. Zudem wurde ich von diversen Freunden, Familienmitgliedern und Kunden auf Libra angesprochen. Das tut der Industrie gut. Denn durch Ankündigungen wie diese realisiert der Mainstream stärker und stärker, dass Blockchain und/oder Kryptowährungen hier sind, um zu bleiben.

 

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